Empfehlung der AG Jugendliteratur & Medien der GEW

Das Schauspiel „Mirjam Ghettokind"

Geschrieben von: uhb

Ein Arzt und Offizier der schweizerischen Armee schreibt als Leiter einer Rote-Kreuz-Delegation einen unglaublichen Bericht über das Ghetto in Theresienstadt. Dieser Bericht ist so ungeheuerlich positiv, dass der Schauder, der beim Lesen des Theaterstücks ständiger Begleiter ist, sich noch einmal steigert.

Ernst Heimes hat nicht nur hervorragend recherchiert, er baut auch Originalsätze, Gedichte, Musik, ja, die ganze Oper Brundibár in sein Stück ein (Rezesnionen dazu unter www.ajum.de, z. B. hier) . Er gliedert es in drei Akte und einen Prolog. Für das Buch beginnt er mit einer Einführung in den Schauplatz sowie der Darstellung der handelnden Schauspielrollen und er fügt ein Nachwort, ein Glossar sowie einige Fotos von seinem Besuch in Theresienstadt 2008 an.

Das Theaterstück beginnt im Oktober 1944 in Auschwitz und zeigt uns, dass der Tod von nun an ständiger Begleiter sein wird. Im ersten Akt kehrt er zum Mai 1939 zurück: Die Familie wartet auf einen Schleuser, der den Sohn zu Verwandten nach Schweden bringen soll. Fast drei Jahre später sehen wir, dass seine Flucht notwendig war, denn die Familie wird deportiert, aufgeteilt in verschiedene Baracken in Theresienstadt. Nur selten gibt es einen Kontakt, jeder muss sehen, wie er in der fast totalen Überwachung zurechtkommt – perfider weise durch Ghettoinsassen mit besonderen Aufgaben: Judenältester, Bezirks- und Gebäudeälteste, Haus- Gruppen- und Zimmerälteste, Ghettowache, Kapo als «Ordnungskraft». Gehorchen ohne nachzufragen ist Pflicht: Ruhe, Ordnung, Reinlichkeit. Die Leichenfahrer karren die Toten vor das Ghetto, wo diese verbrannt werden, der Brotwagen ist von gleichem Format wie die Leichenkarre.

Wir gehen mit Mirjam zusammen, der Schrecken ist nicht anonym. Erstaunlich, wie gefasst und friedfertig sie hinnimmt, was offensichtlich nicht zu ändern ist. Wenige SS-Leute überlassen die Schmutzarbeit der Selbstverwaltung, selbst die Auswahl der Personen, die die gelben Zettel erhalten, womit die Auswahl für die Weiterfahrt in die Vernichtungslager verknüpft ist.

Den Dialogen stellt der Autor detaillierte Regieanweisungen bei, die auch Gefühle beinhalten: «bekümmert … trotzig … ungläubig … es entsteht eine bittere tragisch-komische Situation » …usw. Die Dialogbeiträge sind oft extrem kurz gehalten. Entweder darf nicht viel geredet werden oder es werden kurze Befehle gegeben: «Halt die Fresse, Judenhure» oder «Vortreten! … Name? … Nach rechts!».

Die Auftragsarbeit betrifft das Koblenzer Jugendtheater, dem der Autor in seinem Nachwort großzügig das Recht einräumt, «das Schauspiel auch künftig jederzeit aufzuführen oder neu zu inszenieren». Daneben ist eine Weiterverbreitung auch an andere Bühnen unbedingt zu wünschen. Wie in Brundibár dreht es sich bei dem Stück nicht darum, einen Schrecken am Leben zu halten, sondern wachsam zu sein, zu verhindern, dass er jemals wiederkehrt.

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