KulturInfo

Interview
März-Ausgabe 2005

Thema: Buch von Ernst Heimes
„Das Ziel unserer Sehnsucht ist weit – Julius Lehlbach 1922 - 2001“


In seiner März-Ausgabe 2005 veröffentlichte das KulturInfo das folgende Interview.

KulturInfo: Wie sind Sie auf die Person Julius Lehlbach aufmerksam geworden und was bewog Sie, sich näher mit seinem Leben zu beschäftigen?

Ernst Heimes: Anfang der 80er Jahre trafen sich Menschen, die sich zur Friedensbewegung zusammengeschlossen hatten, auf dem Mainzer Domplatz zur Abschlusskundgebung der Ostermärsche. Ich war einer von ihnen. Wir schauten zum Podium, Richtung Schillerlatz. Julius Lehlbach war der Mann, der dort redet. Der Mann dessen Name ich mir damals einprägte, von dem und dessen aufwühlender Rede ich noch Wochen später Freunden erzählte, der die Sorgen und Gefühle vieler der hier Versammelten genau zu benennen wusste, der auf den Punkt brachte, in Worte verwandelte, was viele von uns spürten, der die Sprache besaß, die uns oft fehlte, von dem wir Argumente hörten, die uns wegen ihrer Schlüssigkeit verblüfften. Ja, so wie dieser Mann wollte jeder von uns dem Gegner, der im Begriff war, das Land mit amerikanischen Atomraketen und Giftgasdepots voll zu stopfen begegnen: zornig und menschlich zugleich. Als ich 1998 von der Landeszentrale für politische Bildung, Rheinland-Pfalz angefragt wurde, Lehlbachs Biographie zu schreiben, zögerte ich nicht und sagte umgehend zu.

KulturInfo: Welche Auffassungen vertrat Lehlbach denn, was macht ihn zu einer Persönlichkeit über die es sich lohnt zu lesen?

Ernst Heimes: Lehlbach war nicht nur 21 Jahre lang Chef des DGB Rheinland-Pfalz. Er hat sich als Person und mit seinem Engagement über sein Amt hinaus gehoben. Er knüpfte und unterhielt nationale und internationale Kontakte, als er sich für eine Chemiewaffen freie Zone in Mitteleuropa einsetzte. Auf nationaler Ebene focht er, obwohl er selbst SPD-Mitglied war, quer durch die Parteien für Arbeitnehmerrechte. Politische Gegner waren nicht gleich auch persönliche Gegner für ihn. Er suchte das Gespräch in alle Richtungen. „Er war ein leidenschaftlicher Mensch, der das Politische und Persönliche zu trennen wusste“, erinnert sich Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl im Gespräch, das ich mit ihm über Lehlbach führte. Das Drama der Arbeitslosigkeit, wie wir es heute erleben, die fortschreitende Zerstörung des Sozialstaates, vor beidem warnte Lehlbach geradezu prophetisch bereits in den 70er und 80er Jahren. Seine Konsequenz aus der widerwilligen Teilnahme als Soldat am 2. Weltkrieg war sein Pazifismus und seine Abscheu vor Rechtsradikalismus. Sein Leben lang bekämpfte er die alten und neuen Nazis wo er nur konnte. Zwei Mal lehnte er die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes ab, weil auch ehemalige Nazis es erhalten hatten. Er bat darum, wenn man ihn schon auszeichnen wolle, ihm lieber eine Kiste Wein zu schenken. Diätenerhöhungen stimmte er während seiner achtjährigen Tätigkeit als Landtagsabgeordneter nicht zu. Den Mainzer Landtag bezeichnete er als Teilzeitparlament. Das brachte ihm nicht nur Freunde ein.

KulturInfo: Der Titel des Buches „Das Ziel unserer Sehnsucht ist weit“ klingt eher poetisch, obwohl es sich um ein politisches Buch handelt.

Ernst Heimes: Sicher, das Buch ist eine politische Biographie, eine Lebensbeschreibung die sehr direkt mit der geschichtlichen Entwicklung unseres Landes verquickt ist. Es ist auch ein Buch über Aspekte Deutscher Geschichte des 20. Jahrhunderts. Es ist aber vor allem ein Buch über einen Menschen, der geradlinig für seine persönlichen Lehren und Überzeugungen eingetreten ist und auch Rückgrad zeigte, wenn ihm der Wind ins Gesicht blies. Opportunismus war ihm fremd. Ich wünsche dem Buch vor allem junge Leser. Denn ich glaube, gerade für Jugendliche und junge Erwachsene kann Julius Lehlbach ein Vorbild sein, wie man seinesgleichen heutzutage vergeblich in der politischen Landschaft sucht. Mit dem Titel des Buches zitiere ich Lehlbach. Es ist der Schlusssatz eines seiner poetischen Texte. Über den Poeten, den Philosophen und Literaturkenner Lehlbach würde es sich lohnen, eine gesondertes Buch zu schreiben.

KurlurInfo: Wir danken für das Gespräch.

 

Lehlbach-Buch„Das Ziel unserer Sehnsucht ist weit – Julius Lehlbach 1922 - 2001“
Autor: Ernst Heimes
Schmidt Verlag, Mainz

2004, 295 Seiten mit viele Fotos und Abbildungen ISBN 3-00-015025-0 Preis: 10,00 €

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