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„Die Häftlinge wurden am Cochemer Bahnhof ausgeladen und dann über die Brücke durch Cond die Mosel hinauf nach Bruttig getrieben. Das habe ich gesehen. Das hat jeder gesehen. Endlose Kolonnen waren das."

ein damals 16-jähriger Junge aus Cochem-Cond


Struthof

Originalfoto aus dem KZ Natzweiler 1944/45

Die Eröffnung des KZ Außenlagers Cochem

Am 10. März 1944 trat der SS Obersturmführer Rudolf Beer mit 300 überwiegend französischen KZ-Häftlingen im elsässischen Konzentrationslager Natzweiler-Struthof eine Zugreise an, die für viele Häftlinge die letzte werden sollte. Der belgische Gefangene Bert Aerts gehörte dem Transport an. Er überlebte das KZ Natzweiler und dessen Außenlager Cochem. Nach dem Krieg berichtete er über seine Deportation. Er erinnerte sich an die Abfahrt der ersten 300 Häftlinge von Natzweiler nach Cochem:

„Wir wurden zu ein paar Hundert in Zellenwagen geladen. Man warf uns aufeinander, wie schmutzige Leinentücher. Als der Wagen schon übervoll war, wurden immer noch mehr hinzu geladen. Das ging so: ein Häftling wurde rückwärts gegen das nach Luft schnappende, röchelnde Menschenknäuel hineingedrückt. Ein SS-Mann setzte seinen Stiefel dem Kerl auf den Bauch und in kürzester Zeit war der auch drinnen. Die Fahrt war schrecklich. Die Leute hingen mitten im Wagen. Am Bahnhof von Rothau wurden wir in Viehwaggons geladen. Glücklicherweise lag darin ein wenig schmutziges Stroh."2

Der SS-Obersturmführer Rudolf Beer gab lange Zeit später, im Jahr 1968, vor der Staatsanwaltschaft Koblenz über den Transport lapidar zu Protokoll: „Die Häftlinge und auch die Wachmannschaften waren diszipliniert."3

Transport

Über Straßburg und Koblenz erreichte der Zug in den frühen Morgenstunden den Bahnhof des Moselstädtchens Cochem. Ein damals 16-jähriger Junge aus Cochem-Cond beobachtete die Ankunft der Häftlinge: „Die wurden am Cochemer Bahnhof ausgeladen und dann über die Brücke durch Cond die Mosel hinauf nach Bruttig getrieben. Das habe ich gesehen. Das hat jeder gesehen. Endlose Kolonnen waren das."4
Auch Bert Aerts erinnert sich an seine Ankunft und die seiner Kameraden: „Cochem, ein malerisches Moseldorf. Die Aussicht war prachtvoll. Hoch oben auf dem Berg eine Burg. Am anderen Ufer der Mosel standen deutsche Menschen und gafften, einfach aus Neugierde."5
Nach eigenen Aussagen war dem SS-Obersturmführer Rudolf Beer, der als Lagerführer mit den ersten Häftlingen in Cochem eintraf, bei einer Besprechung mit dem Kommandanten des KZ Natzweiler-Struthof, SS Sturmbannführer Kramer, zugesichert worden, dass in den Ortschaften Bruttig und Treis die Vorbereitungen zur Eröffnung der Außenlager bereits getroffen seien. Rudolf Beer aber gab zu Protokoll:
„Entgegen der Zusicherung des Lagerkommandanten in Natzweiler war nichts vorbereitet gewesen. Die Zustände möchte ich als katastrophal bezeichnen."6

Immerhin war der Bruttiger Bürgermeister über die Errichtung eines KZ Außenlagers in seiner Gemeinde informiert worden. Er begrüßte die ankommenden SS Führer und bot Beer an, er könne in seinem Privathaus wohnen. Beer zog es jedoch vor, sich im Gasthof Hess einzuquartieren, in dessen Gasträumen er auch sein Büro einrichtete. Zur Unterbringung der Häftlinge ließ er das Gasthaus Schneiders, das heute „Zum guten Onkel" heißt, requirieren, einen Stacheldrahtzaun um den Gebäudekomplex ziehen und die Hälfte der Gefangenen in den Tanzsaal und die Kegelbahn der Gastwirtschaft sperren. Die übrigen 150 Häftlinge mussten am nächsten Tag über den Bergrücken nach Treis marschieren, wo sie in gleicher Weise im Saalbau des Hotels Wildburg einquartiert wurden. Damit war das KZ Außenlager Cochem, wie die amtliche Bezeichnung lautete, eröffnet.

Josef Kramer

SS Hauptsturmführer Kramer war auch oberster Chef der 72 Außenlager des KZ Natzweiler, so auch von Bruttig und Treis.

In Natzweiler fungierte er zunächst als Schutzhaft-lagerführer (April 1941 – Mai 1942), ab Februar wirkte er als kommissarischer Kommandant, bevor er im Mai 1942 dort Lagerkommandant wurde. In diesem Lager ließ er jüdische Gefangene vergasen, um die berüchtigte „Schädel- und Skelettsammlung" des Anatomieprofessors August Hirt an der Reichsuniversität Straßburg zu vervollständigen.

Kramer wurde nach dem Krieg von den Briten festgenommen und vom britischen Militärgericht wegen seiner entsetzlichen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt. Im Dezember 1945 wurde er in Hameln gehängt.


 

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