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„...genau, wie man den Herrgott zum Kreuz geführt hat."

eine Bruttiger Zeitzeugin


Sadistische Quälereien und Hinrichtungen von Häftlingen

Einen Tag bevor die französischen NN Häftlinge am 8. April Cochem wieder verließen, mussten sie dem schrecklichen Ende von sechs Kameraden beiwohnen. Diese hatten es gewagt, einen Fluchtversuch zu unternehmen, durch einen Schacht, der unter der Mosel hindurch führte. Am Karfreitag, nachmittags um 16.50 Uhr wurden in Treis Alexandre Martineau, Alexandre Norois, Pierre Clowez und in Bruttig Arthur Portier, Henri Douat und der erst 18-jährige Schüler André Chinier durch die SS hingerichtet.

Bert Aerts: „Am Karfreitag wohnten wir einer Kreuzigung bei. Zwei Häftlinge wurden mit den Armen am Ast eines Lindenbaumes aufgehängt. Wir standen stundenlang, ihrem Todeskampf zuzuschauen. An den Armen aufgehängt zu werden ist schrecklich. Ich verstand meinen Gottesdienst jetzt besser denn je. Es drang mir wie ein glühender Pfriem quer durchs Herz. Hier wurde Christus ein weiteres Mal gekreuzigt. Sie hingen dort stundenlang in schrecklichen Schmerzen. Als sie steif geworden waren und sich kaum noch bewegen konnten, zuckte einer der beiden wild auf und aus seiner Kehle kam das halberstickte Geröchel: 'Ich habe Durst'. Vor meinen Augen vollzog sich das ganze gewaltige Drama, das der Evangelist Markus kurz und markig so beschreibt: 'Und dann brachte man ihn auf eine Anhöhe und dann wurde er gekreuzigt und dann rief er: 'Ich dürste' und dann kam jemand herbeigelaufen mit einem Schwamm und etwas Essig drauf um ihn zu laben und dann stieß er einen Schrei aus, und dann war er tot. So spielte sich das ab, rudimentär, ohne Umstände. Ein Soldat zog seinen Revolver und schoss beide tot. Das sind die Dinge, die stets wieder bei mir zum Vorschein kommen, wenn ich die Deutschen so romantisch vom 'Lindenbaum' singen höre."13

Baumhängen

Dieses Foto wurde von einem unbekannten Fotografen im Konzentrationslager Buchenwald (1941) aufgenommen.

Am 6. April 1944 traf in Cochem ein Transport mit 700 polnischen und russischen Häftlingen aus dem Konzentrationslager Maidanek bei Lublin ein. Sie sollten die abrückenden französischen Häftlinge ersetzen. Obwohl die "Neuen" bald in die Lagerbaracken "Auf der Kipp" umziehen konnten, wo die Lebensbedingungen nicht ganz so katastrophal waren wie in den umfunktionierten Hotels, organisierten die Russen Ende April einen Massenausbruch aus dem Lager in Bruttig. Während Rudolf Beer bei seiner Vernehmung am 26.7.68 angab, es seien insgesamt 60 Häftlinge an der Flucht beteiligt gewesen, lassen sich anhand der Lagerakten nur 21 Flüchtige nachweisen. Von denen konnten acht Häftlinge wahrscheinlich entkommen. Die 13 übrigen wurden in den folgenden Wochen in den nahen Wäldern der Moselberge und in den Ortschaften Valwiger Berg und Lütz entdeckt. Bei der Gefangennahme durch die SS spielten sich furchtbare Szenen ab. Auf dem Valwiger Berg wurde ein 17-jähriger Russe mit einem Spaten vor den Augen der Bevölkerung niedergeschlagen. Den Spaten hatte ein Ortsbewohner bereitwillig aus seinem Schuppen geholt und einem SS-Mann übergeben. In Lütz antwortete ein Bürger des Dorfes einem Häftling, der um einen Schluck Wasser gebeten hatte: „Wenn du Durst hast, kannst du die Mistepuddel saufen".14 (Mistepuddel = Jauche)

Die Bruttiger Zeitzeugin: "Die SS waren hinter den Gefangenen mit Hunden her, dass bloß keiner ausreißen konnte. Aber es sind trotzdem immer wieder welche ausgerissen. Die haben sie dann gesucht und wenn sie sie gefunden hatten, wurden sie im Galopp hier vorbei gebracht. Ich habe damals gesagt, das ist genau, wie man den Herrgott zum Kreuz geführt hat. Zwei SS gingen hinter den Gefangenen mit aufgepflanztem Seitengewehr und schweren Hunden. Die Gefangenen bluteten, die waren schon tüchtig geschlagen worden. Das ganze Gesicht war voll Blut gewesen. Da kann ich mich heute noch entsetzen drüber. 15

Der Massenausbruch wurde zum Anlass genommen, den Lagerführer Rudolf Beer, dem auch mangelnde Härte gegenüber den Häftlingen vorgeworfen wurde, durch den bereits in anderen KZ 's erprobten SS Obersturmführer Walter Scheffe zu ersetzen. Unter dessen Kommando, sowie der Beteiligung der Koblenzer Gestapobeamten Kriminalsekretär Friederich Schulze und Kriminalkommissar Jakob Wörsdörfer wurden die 13 wieder ergriffenen Russen exekutiert. Am Morgen des 20. Juni 1944 wurden gegen neun Uhr sieben der Häftlinge am Deckenbalken einer Halle des Treiser Lagers, eine Stunde später die sechs übrigen im KZ Bruttig an einem Balken, dessen Enden auf zwei Barackendächern aufgelegt waren, durch die Hand ihrer Kameraden erhängt, welche dafür zur Belohnung ein Stück Brot erhielten. Die Bruttiger Bevölkerung war durch ihren Ortsgruppenleiter dazu aufgerufen worden, sich am Lagerzaun einzufinden, um der Tötung der Häftlinge beizuwohnen. Die Zeitzeugin: „Es sind aber nur wenige dort hingegangen".16

Natzweiler

 

Die Aufnahme stammt aus der zweiten Hälfte der 1980er Jahre. Kurze Zeit später musste sie wie alle noch existierenden Gebäude des Lagers Treis einem Baumarkt weichen.

Der Lagerführer Walter Scheffe, der die Hauptverantwortung für die Exekutionen trug, wurde durch das Rastatt-Tribunal im Jahre 1947 zum Tode verurteilt. Nur wenige Minuten vor seiner Exekution wurde er im letzten Moment begnadigt. Das Strafmaß wurde einige Monate später in 20 Jahre Zuchthaus mit Zwangsarbeit umgewandelt und in den folgenden Jahren immer weiter herabgesetzt. Bereits Mitte der fünfziger Jahre wurde Walter Scheffe aufgrund zahlreicher Gnadengesuche aus dem Gefängnis in Wittlich entlassen. Noch in den neunziger Jahren lebte er als rüstiger Greis in Köln.

 

Walter Scheffe

 

Ein Familienangehöriger von Walter Scheffe berichtet im Jahr 2008, dass Scheffe während seiner Gefängnishaft in Wittlich schnell wieder an Einfluss gewonnen und Karriere gemacht hat. Bald war er Leiter der Schreinerei des Gefängnisses, wo er die Produktion anderer Gefangener beaufsichtigte. Sein Einfluss bei der Gefängnisleitung muss so groß gewesen sein, dass er auf Anforderung seiner Familienangehörigen Holzmöbel hat anfertigen lassen. Er verstand es auch, diese aus dem Gefängnis herausbringen und seinen Verwandten zukommen zu lassen.

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