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„Ich habe immer nur den Zaun gesehen. Da waren ziemlich viele eingesperrt. Na ja, ich war damals vierzehn und Motorräder haben mich mehr interessiert.

Josef Jobelius, dessen Schulweg am Bruttiger Lagerzaun vorbei führte

 

Folter und brutaler Mord – Alltagsrealität in Cochem

Neben Häftlingstötungen waren Folterungen und Quälereien an der Tagesordnung. Nicht genug, dass die Häftlinge durch Faust- und Stockschläge zur Arbeit angetrieben wurden und auch unter dem Kommando von Walter Scheffe an Hunger litten; schon für leichte Vergehen wie Gras essen wurden die Häftlinge auf den Prügelbock geschnallt und erhielten Stockschläge. Dabei mußten sie die Anzahl der Schläge, die sie zu erwarten hatten, selber zählen. Verzählten sie sich, wurde wieder bei „eins" begonnen. Die sadistischen SS-Männer in Bruttig und Treis quälten und töteten sogar zum Spaß, zu ihrer persönlichen Unterhaltung. Eine „Belustigung" bestand darin, Weinflaschen auf dem Boden zu zertrümmern und Häftlinge barfuß durch den Scherbenhaufen laufen zu lassen. An Sonntagnachmittagen, wenn nicht gearbeitet wurde, konnten Dorfbewohner, deren Haus nahe am Lagerzaun stand, beobachten, dass die Häftlinge stundenlang nackt im Kreis über den Appellplatz laufen mussten. Eine Treiser Zeitzeugin, damals 16 Jahre alt: „Im Hotel Wildburg feierte die SS regelrechte Orgien. Verschiedene Frauen aus Treis gingen abends dahin. Das Hotel war deshalb berühmt und berüchtigt. Bei diesen Orgien wurden Häftlinge zum Spaß erhängt. Es wurde sich über das Verhalten der Sterbenden lustig gemacht."17 In der ehemaligen Folterbaracke des Bruttiger Lagers stempelt heute die Post. Häftlinge wurden dort mit einem Strick hinein geschickt und gezwungen, sich selbst zu erhängen.

 

Nur wenige haben Mitleid

Einige Dorfbewohner von Bruttig und Treis hatten Mitleid mit den geschundenen Kreaturen, die sie täglich vor ihrer Haustür vorbeiziehen sahen. Sie legten Obst oder Gemüse an den Straßenrand oder auf die Fensterbänke ihrer Häuser. Daran zu gelangen war für die Häftlinge jedoch lebensgefährlich. Die Wachleute hatten Befehl auf jeden sofort zu schießen, der aus der Reihe trat. Unter den Häftlingen kam es zu wilden Prügeleien eines Apfels wegen, den jemand an den Lagerzaun gelegt hatte. Ein Wachsoldat wurde selbst zum Häftling, weil er einem Russen eine Zigarette geschenkt hatte.

Ein anderer Wachsoldat, der Luftwaffen-Gefreite Rudolf Zseby, notierte am 10. September in sein Tagebuch: „Trotzdem es verboten ist, ist es mir eine Freude, den Häftlingen bei Gelegenheit Obst zukommen zu lassen".18

Die luxemburgischen Zivilarbeiter Johann Peter Wilwert und Wilhelm Braun, beide Arbeiter der Dernauer Baufirma Fix, wagten es, einigen italienischen Häftlingen Lebensmittel und Kleidungsstücke zu organisieren und ihnen diese auf der Baustelle im Tunnel zu übergeben. Sie wurden dabei gesehen und der SS gemeldet, die für die sofortige Bestrafung der beiden Männer sorgte. Von diesem Tag an marschierten sie in der Häftlingskolonne mit. In der Chronik der Pfarrei Tetingen in Luxemburg, dem Heimatort Wilwerts, ist nachzulesen: „Johann Peter Wilwert, 41 Jahre, hatte einem hungrigen Russen ein Stück Brot gegeben, kam dafür ins Konzentrationslager, wo er nach vielen Entbehrungen starb." 19 Wilhelm Braun starb Mitte der fünfziger Jahre an den Folgen seiner Deportation.

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