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„Stand ein Galgen im Lager?" „Nein, an die Bäume wurden sie gehangen, an die Akazienbäume."

aus einem Gespräch mit einer Treiser Zeitzeugin

 

Kommandowechsel und Evakuierung des Lagers

Im Juli 1944 wurde der Lagerführer Walter Scheffe, weil „wichtigere Aufgaben"20 auf ihn warteten, durch den SS Untersturmführer Heinrich Wicker abgelöst. Unter seinem Kommando hatten nicht nur die Häftlinge, sondern auch das Wachpersonal zu leiden. Seiner disziplinarischen Maßnahmen und sinnlosen Strenge wegen war er bei seinen Untergebenen gefürchtet. Der erst 23-jährige Wicker wurde von einem Soldaten der Wachmannschaft später als ein „ausgesprochenes Schwein"21 charakterisiert. Er führte das Lager bis zur Evakuierung Mitte September 1944.

Der Luftwaffen-Gefreite Rudolf Zseby erinnert sich an die Evakuierung des KZ Außenlagers Cochem:
„14. September 1944. Bedingt durch die Kriegslage und die Anwesenheit der ca. 600 Häftlinge in Bruttig, scheint der Aufenthalt wohl als gefährdet angesehen zu sein. Plötzlich kam der Befehl, dass wir von hier wegkommen. Alles packen, und zwar sofort! Das Schwierigste und Unangenehmste war der Abtransport der Häftlinge. In einen Lastkraftwagen kamen je 50 Häftlinge und an jeder Ecke des Wagens ein Posten mit scharf geladenem Gewehr. Wir standen eng an die Wand gedrückt, dass es uns unmöglich war, auch nur ein Glied zu rühren. Wir waren vollständig von den Häftlingen eingekeilt. Die Sache war nicht ungefährlich. Dazu strömte ein furchtbarer Gestank von den Häftlingen aus."22

Die LKW's brachten die Häftlinge zum Cochemer Güterbahnhof, wo sie in Bahnwaggons umsteigen mussten. Der Transport begann am Freitagabend, den 15. September, nachdem die Gefangenen bereits eine Nacht und einen Tag zusammengepfercht in den Waggons verbracht hatten. Er führte in das KZ Nordhausen und von dort in das Lager Ellrich/Südharz, wo die Häftlinge schärfster Bewachung und schwerster Behandlung ausgesetzt waren.

Der Lagerführer Heinrich Wicker wurde Leiter der „SS-Kampfgruppe Wicker" im KZ Dachau, wo er sehr wahrscheinlich von den Amerikanern nach deren Einmarsch und Befreiung des Lagers erschossen wurde.

Der getötete Soldat ist wahrscheinlich Heinrich Wicker. Seinen Leichnam hat man auf einen Leichenberg vergaster
Dachauer Häftlinge geworfen, die in einem Raum zur Verbrennung gelagert waren.

Die Lager Bruttig und Treis erreichten am 24. Juli 1944 eine Gesamtbelegung von 1527 Häftlingen. Insgesamt wurden in dem halben Jahr vom März bis September 1944 mehr als 2000 Häftlinge dem Außenkommando Cochem zugeteilt. Nach den offiziellen Sterberegistern der Gemeinden Treis-Karden und Cochem-Land haben es 94 Häftlinge nicht wieder lebend verlassen.23 Im Urteil, gesprochen im Rastatt-Prozeß 1947 heißt es allerdings, „dass diese Zahl weit unter der Wirklichkeit liegt und dass es jetzt unmöglich ist, die wirkliche Zahl festzustellen, da die meisten Leichen ins Krematorium gebracht wurden".24

 

Kaum ein Erinnern, nur zögerliches Gedenken

Für viele Menschen an der Mosel hat es bis heute kein Erinnern an die Verbrechen im KZ Außenlager Cochem gegeben, an denen einige von ihnen direkt beteiligt waren. Jahrzehnte ohne merkliche Rückbesinnung auf geschehenes Unrecht sind vergangen. An die vorsätzliche Vernichtung überwiegend politischer Häftlinge und Kriegsgefangener durch Arbeit, Folter und Exekutionen fehlt das Gedenken.

Manche Politiker und Behörden behindern bis heute Forschungsarbeiten, vertuschen die Geschichte ihrer Region, statt eine öffentliche Auseinandersetzung und Aufarbeitung zu suchen.

Nach längerem peinlichem Gezerre im Bruttiger Gemeinderat wurde in den achtziger Jahren auf dem Friedhof der Gemeinde ein Gedenkstein errichtet. Leider trägt er eine irreführende und sachlich falsche Aufschrift. Ein Gedenkstein auf dem Treiser Friedhof erinnert seit Mitte der neunziger Jahre an die Opfer der Lager. Dass auch dieser Stein eine falsche Inschrift trägt, haben aufmerksame Bürger kurz vor seiner Fertigstellung noch eben verhindern können. In der Fremdenverkehrsstadt Cochem sucht man bis heute vergeblich nach einem Zeichen der Erinnerung.


Mehr zum Thema können Sie nachlesen in den Büchern:
Ernst Heimes: Ich habe immer nur den Zaun gesehen, 4. Auflage, Koblenz 1999
Ernst Heimes: Schattenmenschen 2. Auflage, Frankfurt 2005
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