Zum Schauspiel „Schatten von Menschen“


Szene aus der Produktion des Koblenzer Jugendtheaters.Bereits Mitte der 50er Jahre waren die meisten Kriegsverbrecher, derer man nach dem Krieg habhaft werden konnte, bereits aus der Haft entlassen. Todesurteile waren in langjährige Zuchthausstrafen, diese in Gefängnisstrafen umgewandelt worden. Viele Mörder der Nazi-Zeit befanden sich, wenn sie überhaupt verurteilt worden waren, Mitte der 50er bereits wieder auf freiem Fuß. An dieser Entwicklung haben die Adenauer-Administration und der Kanzler selbst maßgeblich mitgewirkt. Von offizieller Deutscher Seite war nie von „Kriegsverbrechern“ sondern nur von „Kriegsgefangenen“ die Rede, wenn es um die wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ verurteilten Deutschen ging.

Der Kriegsverbrecher Walter Scheffe, in „Schatten von Menschen“ heißt der ehemalige SS Obersturmführer, Walter Busse, wurde 1956 als einer der letzten Kriegsverbrecher aus einem deutschen Gefängnis (Wittlich) entlassen. Er war 1949 beim Rastatt-Tribunal zum Tode verurteilt worden.

Szene aus der Produktion des Koblenzer Jugendtheaters.

 

Wenn es sich bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Bern im Jahr 1954 auch um ein sportliches Ereignis handelte, bei dem die Deutsche Elf Fußball-Weltmeister wurde, so empfanden doch viele Deutsche diesen Sieg, wenn nicht als einen Sieg Deutschlands über andere Nationen, so doch als ein Ereignis, das Deutschland wieder einen ersten Platz unter den europäischen Staaten verschaffte. Die Zeit der Demut, sofern es eine solche in den Nachkriegsjahren überhaupt gegeben hatte, war für viele endgültig vorbei. Die Mentalität „Wir sind wieder wer“ erhielt Vorschub.

Schatten von MenschenNicht nur die Millionen von Todesopfern, auch das Heer derer, die noch immer an den Folgen von Krieg und Gewaltherrschaft litten, gerieten mehr und mehr in Vergessenheit. So auch die Opfer des KZ Außenlagers Cochem, das aus den beiden Lagern Bruttig und Treis bestand.

 

 


Hier mussten Häftlinge von März bis September 1944 bis zur völligen Entkräftung unter schlimmsten Bedingungen arbeiten. Brutaler Mord, Hinrichtungen und Folter von Seiten der SS-Leitung und deren Schergen gehörten zur Tagesordnung.

Auch die Lager von Cochem - Bruttig und Treis - und die darin verübten Greuel gerieten schnell in Vergessenheit.

Mitte der 80er Jahre, als ich mit meinen Nachforschungen begann, war ich überrascht, wie sehr die Konzentrationslager, die sich inmitten der Ortschaften befunden hatten, zwar aus der kollektiven Erinnerung, nicht aber aus der individuellen Erinnerung vieler Bewohner und anderer Zeitzeugen verschwunden waren.

Szene aus der Produktion des Koblenzer Jugendtheaters.

 

In Cochem wurde im Jahr 1944 ein stillgelegter Eisenbahntunnel von KZ-Häftlingen zu einer unterirdischen Fabrik ausgebaut, in der die Firma Bosch die Fabrikation von Teilen für Flugzeugmotoren aufnahm. Die Häftlinge wurden hauptsächlich zu Räum- und Bauarbeiten eingesetzt, welche federführend von privaten Baufirmen durchgeführt wurden. Die Leitung hatte ein SS-Stab. In einer dieser Baufirmen waren die ausländischen Zivilarbeiter, die im Stück „Schatten von Menschen“ Hannes Roth und Will heißen, eingesetzt. Sie arbeiteten täglich in unmittelbarem Kontakt mit den Häftlingen.

Bewacht wurden die Häftlinge von einem Wachkommando der Luftwaffe, Leitung hatte die SS. Aus den Häftlingen wurden von der SS sogenannte „Kapos“ ausgesucht, meist brutale Schläger oder Schwerverbrecher, die ihre Mithäftlinge zu bewachen hatten, diese drangsalierten und oft (meist auf Befehl) töteten.

Auch die Bevölkerung hatte Anteil. Wenn auch der größte Teil mit Abscheu sah, was in den Lagern geschah, gab es doch eine gehörige Anzahl derer, die Gefallen daran fanden, sich mit der SS auf Kosten der Gefangenen zu vergnügen oder sich durch die Gegenwart der Lager und ihres Personals wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen.

Die Funktionäre, Polizei, Bürgermeister, Landräte usw., aber auch einfache Zivilisten waren oft überzeugte Nazis und empfanden keine Skrupel, wenn Menschen in ihrer unmittelbaren Nähe gefoltert, getötet oder „durch Arbeit vernichtet“ wurden.

Noch heute wissen einige Bewohner in den Ortschaften über die damaligen Täter und Mitläufer Bescheid, kennen sie genau. Doch der Mantel des Schweigens deckt und schützt viele bis in die Gegenwart.

Einige Wenige haben ihr Schweigen gebrochen. Ihnen ist das heutige Wissen über die Greuel im KZ Außenlager Cochem zu verdanken.

Das Schauspiel „Schatten von Menschen“ will zeigen, was sich zugetragen hat. Es will die Täter beim Namen nennen, das Andenken an die Opfer von Bruttig und Treis bewahren und mahnen, dass Vergleichbares nie wieder geschehen kann.

Nie wieder!

Ernst Heimes

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